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Donnerstag, 16. April 2020, 18:05

Quarantäne für den Fußball – Geisterspiele sind keine Lösung!

Quarantäne für den Fußball – Geisterspiele sind keine Lösung!

Die Frage, wann und in welcher Form wieder Profifußball gespielt werden darf, wurde in den vergangenen Tagen und Wochen viel diskutiert. In der nach wie vor teils unübersichtlichen gesellschaftlichen Situation wurden von verschiedenen Akteuren eine Vielzahl ethischer, epidemiologischer und anderer Argumente ins Feld geführt. Im Folgenden möchten wir uns, als bundesweiter Zusammenschluss der Fanszenen und mit Blick auf die DFL-Vollversammlung, zu dem Thema äußern:

Die Wiederaufnahme des Fußballs, auch in Form von Geisterspielen, ist in der aktuellen Situation nicht vertretbar – schon gar nicht unter dem Deckmantel der gesellschaftlichen Verantwortung. Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all denjenigen, die sich in der Corona-Krise wirklich gesellschaftsdienlich engagieren.Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne.

Wir vertreten die klare Position, dass es keine Lex Bundesliga geben darf. Fußball hat in Deutschland eine herausgehobene Bedeutung, systemrelevant ist er jedoch ganz sicher nicht. Beschränkungen, die für vergleichbare Bereiche der Sport- und Unterhaltungsindustrie gelten, müssen auch im Fußball Anwendung finden. In einer Zeit, in der wir alle
sehr massive Einschränkungen unserer Grundrechte im Sinne des Gemeinwohls hinnehmen, ist an einen Spielbetrieb der Bundesligen nicht zu denken. Wenn seit Wochen über einen Mangel an Kapazitäten bei CoVid-19-Tests berichtet wird, ist die Idee, Fußballspieler in einer extrem hohen Taktung auf das Virus zu untersuchen, schlicht absurd. Ganz
zu schweigen von der Praxis eines Fußballspiels mit Zweikämpfen, eines normalen Trainingsbetriebes in Zeiten von Versammlungsverboten und eines gemeinsamen Verfolgens potenzieller Geisterspiele durch Fans.

Die Rede von gesellschaftlicher Verantwortung und Pläne für exklusive Testkontingente (über 20.000 Stück) für den Profifußball passen nicht zusammen. Wir verstehen, dass Vereinsfunktionäre durchaus rechtliche Verpflichtungen haben, im Sinne des finanziellen Wohls ihres Vereins zu handeln. In einer Situation jedoch, in der die gesamte
Gesellschaft und Wirtschaft vor enormen Herausforderungen stehen, ist es für uns nicht nachvollziehbar, dass offenbar sämtliche Bedenken hintenangestellt werden, wenn es darum geht, den Spielbetrieb möglichst lange aufrechtzuerhalten, bzw. erneut zu starten.

Ganz offensichtlich hat der Profifußball viel tieferliegende Probleme. Ein System, in das in den letzten Jahren Geldsummen jenseits der Vorstellungskraft vieler Menschen geflossen sind, steht innerhalb eines Monats vor dem Kollaps. Der Erhalt der Strukturen ist vollkommen vom Fluss der Fernsehgelder abhängig, die Vereine existieren nur noch in totaler Abhängigkeit von den Rechteinhabern.

Die Frage, weshalb es trotz aller Millionen keinerlei Nachhaltigkeit im Profifußball zu geben scheint, wie die Strukturen und Vereine in Zukunft robuster und krisensicherer gemacht werden können, wurde zumindest öffentlich noch von keinem Funktionär gestellt. Das einzig kommunizierte Ziel ist ein möglichst schnelles ,,Weiter so!‘‘, das jedoch lediglich einer überschaubaren Zahl an Beteiligten weiterhin überragende Einkünfte garantiert. Das Gerede von zigtausenden Jobs halten wir schlicht in den meisten Fällen für einen Vorwand, weiterhin
exorbitante Millioneneinkünfte für wenige extreme Profiteure zu sichern. Dies zeigt sich auch in der absoluten Untätigkeit des DFB, im Hinblick auf den Fußball unterhalb der 2. Bundesliga. Dass Geisterspielehier viel stärkere Folgen hätten, als in den Ligen der DFL, wird ausgeblendet. Hauptsache das „Premiumprodukt“ kann weiterexistieren. Hier wird der DFB seiner Rolle nicht nur nicht gerecht, er zeigt auch wiederholt, wessen Interessen er vertritt.

Seit Jahren fordern Fans Reformen für eine gerechtere Verteilung der TV-Einnahmen und kritisieren die mangelnde Solidarität zwischen großen und kleinen Vereinen. Wir weisen auf Finanzexzesse, mangelnde Rücklagenbildung und die teils erpresserische Rolle von Spielerberatern hin. Die Gefahr der Abhängigkeit von einzelnen großen Geldgebern haben
wir anhand von Beispielen wie 1860 München, Carl Zeiss Jena und anderen immer wieder aufgezeigt.

Spätestens jetzt ist es aller höchste Zeit, dass sich Fußballfunktionäre ernsthaft mit diesen Punkten auseinandersetzen. Die jetzige Herausforderung ist auch eine Chance: Die Verbände sollten dieseKrise als solche begreifen und die Strukturen des modernen Fußballs grundlegend verändern. Es ist höchste Zeit!

In diesem Zusammenhang fordern wir:

-Der aktuelle Plan der DFL, den Spielbetrieb im Mai in Form von Geisterspielen wieder aufzunehmen, darf nicht umgesetzt werden. Wir maßen uns nicht an, zu entscheiden, ab wann der Ball wieder rollen darf. In einer Situation, in der sich der Fußball auf diese Weise so dermaßen vom Rest der Gesellschaft entkoppeln würde, darf es jedoch nicht passieren.

-Eine sachliche Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage muss forciert und eine Abkehr vom blinden Retten der TV-Gelder vollzogen werden. Auch ein möglicher Abbruch der Saison darf kein Tabu sein, wenn die gesellschaftlichen Umstände es nicht anders zulassen. In diesem Fall sollten nicht nur Horrorszenarien in Form von drohenden Insolvenzen skizziert werden, sondern Lösungsmöglichkeiten in Form von Förderdarlehen, erweiterten Insolvenzfristen und anderen Kriseninstrumenten, denen sich auch die restliche Wirtschaft stellt,
diskutiert werden.

-Eine kommende Lösung muss maximal solidarisch sein. Es darf unter den Vereinen keine Krisengewinner - und verlierer geben. Die Schere zwischen ,,groß‘‘ und ,,klein‘‘ darf nicht noch weiter auseinandergehen. Ausdrücklich schließen wir damit auch die Vereine der dritten Liga und der Regionalligen mit ein, für die Geisterspiele ohnehin keine Option sind.

-Die Diskussion über grundlegende Reformen, um den Profifußball nachhaltiger und wirtschaftlich krisensicherer zu gestalten, muss jetzt beginnen. Sie darf nicht nur von Fans und Journalisten geführt werden, sondern ist die zentrale Aufgabe der Verantwortlichen der Clubs und Verbände.Strukturen und Vereine müssen auf einen finanziell und ideell sicheren Boden zurückgeholt werden. Dabei muss die 50+1-Regel weiterhin unberührt bleiben.

Die Phase einer von der restlichen Gesellschaft komplett entkoppelten Fußballwelt muss ein Ende haben!


Fanszenen Deutschlands im April 2020

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Donnerstag, 16. April 2020, 19:38

100% Zustimmung.
Die gezahlten Gehälter für Topverdiener deckeln auf eine Summe X. Die derzeitige Spirale ist krank. Aktuelles Beispiel Manuel Neuer, wollen wir Menschen mit solchen erpresserischen Vorstellungen auch noch zujubeln?
Ich gucke seit 3 Jahren fast nur Liga 3,
1. Liga kotzt mich nur noch an.

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Donnerstag, 16. April 2020, 22:18

Sehe ich auch so!

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Donnerstag, 16. April 2020, 23:32

Wie sagte Helmut Schmidt:
"In der Krise zeigt sich der Charakter."

Danke für die Stellungnahme. Ich teile diese zu 100%. Für mich ist das Verhalten der DFL, des DFB und vieler Vereine eine moralische Bankrotterklärung und zeigt die komplette Entkopplung des Profifussballstraße zur Realität bzw. gesellschaftlichen Fragen.
Ich habe aber immernoch nicht die Hoffnung auf einen Lerneffekt verloren.
Für mich sind die aktiven Fanszenen mit ihrem gesellschaftlichhen Engagement die moralischen Gewinner der Krise.
Grosses Dankeschön und bitte weiter so.

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Freitag, 17. April 2020, 06:35

Aktuelles Beispiel Manuel Neuer, wollen wir Menschen mit solchen erpresserischen Vorstellungen auch noch zujubeln?


Was hat er denn gemacht? Klärst Du mich auf?

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Freitag, 17. April 2020, 08:50

Gemäß Kicker (und anderen Medien) fordern Neuer und sein Berater bei einer Verlängerung 20.000.000,00 Euro im Jahr als Gehalt für ihn.

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Freitag, 17. April 2020, 08:52

Anscheinend gibt es einen erneuten Vostoß, dass die 3. Liga in Nord und Süd mit jeweils 20 Mannschaften aufgestellt wird. Und das schon ab der Saison 20/21. Wie will man 20 Mannschaften auf einem integrieren? Da müsste jede Regionalliga mindestens 3 Aufsteiger haben. Wenn man bedenkt, dass einige Vereine gar nicht in die 3. Liga wollen... Aber zusätzlich sollen auch die Bedingungen für die Zulassung zur 3. Liga gelockert werden.

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Freitag, 17. April 2020, 09:15

Zwei 3. Ligen wäre aus meiner Sicht ein Eigentor. Das würde Zuschauer kosten, weil die Attraktivität auf der Strecke bleiben würde. Gerade die Teams die extrem von den Zuschauern abhängig sind würden das zu spüren kommen. Wir würden unter diese Kategorie fallen. Wie läuft das mit den Fernsehgeldern? Ich kann mir nicht vorstellen das die Telekom einen Mehraufwand betreiben wird. Die TV Einnahmen würden zurück gehen. Die Telekom würde sich in beiden Ligen die Top Partien rauspicken.

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Freitag, 17. April 2020, 10:50

Genau, verstehe ich auch nicht. Hoffe man wird nun nicht etwas zu kreativ. Eine zweigeteilte 3. Liga mit so vielen Mannschaften wäre gefühlt ein ganz großer Schritt zurück. Der Zuschauerschnitt würde wohl deutlich zurück gehen und Fernsehgelder würden (vermutlich) weniger fließen, Wem wäre damit geholfen?

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Freitag, 17. April 2020, 12:14

Genau, verstehe ich auch nicht. Hoffe man wird nun nicht etwas zu kreativ. Eine zweigeteilte 3. Liga mit so vielen Mannschaften wäre gefühlt ein ganz großer Schritt zurück. Der Zuschauerschnitt würde wohl deutlich zurück gehen und Fernsehgelder würden (vermutlich) weniger fließen, Wem wäre damit geholfen?


den fernsehunternehmen. 20 Spiele an einem Spieltag in der dritten Liga. mehr spiele. mehr umsatz.

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Freitag, 17. April 2020, 12:40

Genau, verstehe ich auch nicht. Hoffe man wird nun nicht etwas zu kreativ. Eine zweigeteilte 3. Liga mit so vielen Mannschaften wäre gefühlt ein ganz großer Schritt zurück. Der Zuschauerschnitt würde wohl deutlich zurück gehen und Fernsehgelder würden (vermutlich) weniger fließen, Wem wäre damit geholfen?


den fernsehunternehmen. 20 Spiele an einem Spieltag in der dritten Liga. mehr spiele. mehr umsatz.


Wesentlich mehr Ausgaben für Personal und Technik. Das rechnet sich durch Spiele zwischen Altglienicke und Flensburg nicht. Bei einer geteilten 3. Liga sehe ich nicht ansatzweise, dass das Engagement der Telekom bestehen bleibt. Und genau deshalb wird das auch nicht passieren.

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Freitag, 17. April 2020, 14:39

Gemäß Kicker (und anderen Medien) fordern Neuer und sein Berater bei einer Verlängerung 20.000.000,00 Euro im Jahr als Gehalt für ihn.


Das ist ja das "perverse" an der aktuellen Situation. Während drei bis vier Vereine ihre Kaderplanung fröhlich vorantreiben, müssen andere um ihre Existenz bangen. Da fehlt mir jegliche Solidarität. Dann kann man im nächsten Jahr ja gleich die Ligen auf sechs Vereine reduzieren.


Bei Geisterspielen in der 3. Liga könnte man mit diesem Betrag eine GANZE LIGA retten. Die Zuschauereinnahmen belaufen sich bei fünf bis sechs ausstehenden Heimspielen ja auf ungefähr 1000000€ pro Verein. (Was die angegebenen Zahlen der Vereine ca. widerspiegelt).
Warum werden keine "Fonds" gegründet die eine Soforthilfe bedeuten würde. Und zwar für jeden Verein den gleichen Betrag. Da sollte der DFB und DFL mal zusammen ansetzen, und auch Verträge mit Firmen darauf gezielt abschließen. (2006 sind von deren Konto einfach mal 6,7 Mio € verschwunden!!!!!!!!!!!!!!!!!!)

Auch die Landesverbände müssen mit Ihren Regionalligisten so verfahren.